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Wettkampfschuh Evo Rehi von HOKA

Kein Bereich des Laufsports unterlag in den letzten Jahren einem ähnlich großen Wandel wie die Entwicklung der Wettkampfschuhe. Waren diese über Läufergenerationen hinweg möglichst leicht, flach und direkt, änderte sich dieses Bild mit der Vorstellung der ersten Prototypen des Nike Vaporflys beinahe vollständig. Neue Materialien und Technologien halfen dabei, eine neue Generation Wettkampfschuh zu entwickeln. Neuartige und sehr leichtgewichtige Mittelsohlenmaterialien, welche großvolumige und somit gut gedämpfte Konstruktionen bei gleichzeitig minimalem Gewicht möglich machten, bildeten in Kombination mit der Verwendung reaktiver Carbonplatten die Grundformel für neue, leistungsfähige Wettkampfschuhe. Komfort, Leichtigkeit und Geschwindigkeit - was nach einer beinahe optimalen Kombination klingt, beschäftigt seitdem die Laufszene. Egal, ob man deren Laufgefühl nun mag oder nicht - Fakt ist: fast jeder Hersteller ist in die Entwicklung eingestiegen. Nike, Adidas, Asics, Saucony, New Balance, Brooks, On, Hoka One One - während das Sortiment der „Carbonschuhe“ immer größer wird, stellt sich unweigerlich die Frage: was sind die Alternativen? Es gibt viele Gründe, auch heute noch auf einen eher traditionelleren Wettkampfschuh zurückzugreifen. Die einen bevorzugen einfach das direkte Laufgefühl, die anderen die Flexibilität ohne Carbonplatte - und dann gibt es natürlich noch die Puristen, welche es einfach gerne klassisch mögen. Für alle gibt es eine gute Nachricht: es gibt auch in diesem Bereich weiterhin spannende Neuentwicklungen!

Einlieutung

Der Hoka One One Evo Rehi 

Hoka One One zählt für mich persönlich zu einer der aktuell progressivsten Marken der Laufschuhindustrie. Angefangen bei den charakteristischen Mittelsohlen, welche gerade zu Beginn der Firmengeschichte für viele noch ziemlich ungewohnt aussahen, nun aber als Kategorie der Maximalschuhe viele Fans und auch Nachahmer gefunden haben, über die „Carbonschuhe“ Carbon Rocket und Carbon X, welche eine der ersten erhältlichen Antworten auf den Nike Vaporfly waren, bis hin zur Verpflichtung des Triathlon-Olympiasiegers und Ironman-Weltmeisters Jan Frodeno - Hoka One One scheint immer ganz nah am Puls der Lauf- und Triathlonszene zu sein. So verwundert es eigentlich auch nicht, dass das mittlerweile ziemlich umfangreiche Sortiment viele spannende Modelle beinhaltet. Ich persönlich habe die diese Entwicklung lange beobachtet, ohne selbst mal einen Test zu wagen. Als dann aber irgendwann immer mehr meiner Trainingspartner begeistert von ihren „Hokas“ berichtet haben, war auch meine Neugierde endgültig geweckt: ich brauche neue Schuhe! Neben dem Klassiker für lockere Läufe im Sortiment, dem Hoka One One Clifton, sollte es aber auf jeden Fall auch etwas Schnelles sein - und hier war er schließlich: der Hoka One One Evo Rehi. Warum gerade er? Nun, zum einen sollte es für mich eben ein flacher Schuh ohne Carbonplatte sein - und zum anderen ergab sich dann glücklicherweise die Möglichkeit dieses Tests. Ob es Liebe auf den ersten Schritt war? Das erfahrt ihr jetzt! 

Evo rehi

Einordnung ins Sortiment und Wettbewerbsumfeld

Der Evo Rehi zählt zu den leichtesten Modellen im Sortiment von Hoka One One und damit zu den Schuhen, welche sich tendenziell am besten für alle schnelle Angelegenheiten eignen. Während es für diesen Einsatzzweck auf der einen Seite noch die „Carbonschuhe“ Carbon Rocket und Carbon X gibt, welche der neuen Generation Wettkampfschuhe zuzuordnen sind, existieren auf der anderen Seite die Modelle Cavu und Mach, welche eher als leichte Trainingsschuhe angesehen werden können. In der Mitte finden sich schließlich der Hoka One One Tracer und eben der Evo Rehi als Vertreter der klassischen Wettkampfschuhe. Der Evo Rehi ist dabei der Purist: leicht, flach, direkt - vor allem Freunde dieser Attribute finden hier eine spannende Alternative.

Doch Alternative zu was? Wie bereits erwähnt, wird die Auswahl der Modelle in diesem Bereich aktuell immer kleiner. Um zu zeigen, für wen der Evo Rehi interessant sein könnte, hier jedoch eine Übersicht der engsten, noch erhältlichen Konkurrenten: Adidas Adizero Adios, Nike Zoom Streak, Saucony Type A, New Balance RC1400, Brooks Hyperion, Mizuno Wave Duel, On Cloudflash - du bist gerne in einem dieser Modelle unterwegs, möchtest aber noch einmal etwas anderes ausprobieren? Dann könnte sich dieser Test lohnen!

Einordnung

Design und Technische Daten

Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen von Hoka One One, besitzt der Evo Rehi einen eher niedrigen Aufbau. Mit einer Mittelsohlenhöhe von 24 mm in der Ferse und 20 mm im Vorfuß und somit einer Sprengung von 4 mm zählt er auch unter den Wettkampfschuhen zu den flachsten Kandidaten, was sich insbesondere auf das Laufgefühl auswirkt. Doch dazu später mehr. Rein technisch handelt es sich beim Evo Rehi zunächst einmal um eine einteilige und durchgehende EVA-Mittelsohle, welche für ein besseres Abrollverhalten über zahlreiche Kerben für eine höhere Flexibilität verfügt. Diese ist insgesamt eher flach gehalten und weist auch unter dem Fußgewölbe keine zusätzliche Erhöhung auf, bietet dabei allerdings rund um die Ferse etwas mehr Material, so dass diese von allen Seiten durch EVA-Schaum eingefasst wird. Insgesamt ist der Schuh aufgrund seiner Konstruktion somit zunächst einmal sehr neutral und eher weniger für Läuferinnen und Läufer mit einer Überpronation geeignet. Der Kontakt zum Boden wird über eine durchgängige Außensohle aus gummiertem Mittelsohlenmaterial sichergestellt. Im Grunde besteht die Außensohle somit aus der Mittelsohle, welcher lediglich eine leichte Gummierung hinzugefügt wurde. Der gänzliche Verzicht auf Gummi unter dem Fuß könnte in Sachen Haltbarkeit zwar noch einmal interessant werden, bringt aber einen großen Vorteil: Gewichtsersparnis! Mit 170 g in meiner Größe US 8,5 (EU 42) zählt der Evo Rehi sogar unter den Wettkampfschuhen zu den absoluten Leichtgewichten. Dieser Tendenz folgt auch das Obermaterial, welches sich MATRYX nennt und aus einem einlagigen Gewebe besteht, welchem für einen besseren Halt Kevlar-Fasern hinzugefügt wurden. Da diese naturgemäß eher steif sind, findet sich in der Mitte des Obermaterials eine sehr elastische Lycra-Einlage, welches die Gesamtkonstruktion in der Weite wieder sehr flexibel macht. Für einen gewissen Komfort sind die Zunge und der obere Fersenrand schließlich mit einem leichten Material aufgeschäumt, welches sich individuell an den Fuß anpassen soll.

Neben diesen technischen Details, sorgt aber auch das Design dafür, dass der Schuh einen schnellen Eindruck hinterlässt. Die Farbe Petrol, welche im Sohlenbereich über einen schönen Farbverlauf verfügt und kontrastreich mit gelben Schürsenkeln kombiniert wurde, wirkt edel und hochwertig verarbeitet. Insgesamt macht die Konstruktion einen sehr durchdachten Eindruck, da der Schuh auf ein Minimum reduziert und sehr technisch daherkommt. Die Details sprechen also schon einmal eine deutliche Sprache: Geschwindigkeit. Ob der erste Eindruck täuscht? Auf zum Praxistest!

 

Gewicht

Passform und Tragegefühl

Der erste Eindruck zählt - und hierbei kann der Evo Rehi direkt punkten. Man sollte sich zwar darüber bewusst sein, dass die Schuhe von Hoka One One und insbesondere natürlich die Wettkampfschuhe eher zu den schmaleren Konstruktionen auf dem Markt zählen, insbesondere durch den großflächigen Lycra-Einsatz im Vorfußbereich passt sich das Obermaterial aber an zahlreiche Fußformen hervorragend an. Daneben bietet es durch die Kevlar-Verstärkung aber auch ein angenehm umfassendes Gefühl - in Kurzform: er passt wortwörtlich wie ein Handschuh. Die flexible Fersenkappe umfasst den Rückfuß, die elastischen Schnürsenkel liegen auf einer geschäumten Zunge und auch die Zehenbox bietet ausreichend Platz. Ein Hinweis an dieser Stelle: wer seine Wettkampfschuhe gerne etwas enger trägt, sollte eventuell eine halbe Größe abziehen - gerade nach vorne fällt der Evo Rehi verhältnismäßig lang aus. Das gleiche positive Gefühl bietet aber auch die Sohle: der EVA-Schaum ist angenehm weich, was beim ersten Auftreten eine durchaus überraschende Dämpfung bietet. Gleichzeitig zeigen aber auch die Flexkerben ihre Wirkung, da der Schuh wirklich gut abrollt und dem Fuß in keiner Weise eine Bewegung vorgibt - definitiv ein Schuh für Läufer ohne große orthopädische Schwierigkeiten, da er absolut neutral ausgerichtet ist. Insgesamt macht sich aber vor allem das Gewicht bemerkbar: 170 g sind wirklich wenig und machen sich am Fuß mit einem Gefühl von nichts bemerkbar. Da die Voraussetzungen somit schon einmal wirklich gut sind, geht es gleich los für einen Test auf die Bahn! 

Performance

Performance 

Was soll ein Wettkampfschuh vor allem können? Schnell laufen! Dementsprechend sind die Erwartungen natürlich hoch und die Testbedingungen umso härter: Training mit der Gruppe, Tempoläufe, 10x400m. Zunächst einmal muss man sich natürlich darüber bewusst sein, dass diese Art Wettkampfschuhe ein sehr direktes und ungefiltertes Laufgefühl bietet. Während die hier nun schon häufiger erwähnten Carbonplatten stets eine gewisse Unterstützung - damit aber auch eine Art Bevormundung und Entkoppelung vom Untergrund - bieten, stellen Schuhe wie der Evo Rehi die unmittelbare Verbindung zwischen Läufer und Untergrund her. In dieser Kategorie zählt der Testschuh auch zu den eher flexiblen Modellen, was ihn noch einmal etwas direkter macht. Beim eigentlichen Laufen macht sich das vor allem durch eine ziemlich hohe Dynamik bemerkbar. Durch die flache Sprengung und die durchgängige Außen-/Mittelsohle sorgt der Schuh dafür, dass es den Läufer auf den Vorfuß zieht, womit grundsätzlich ein sehr aktiver Laufstil ermöglicht wird. Da der Aufbau sehr neutral ausfällt und in der Mittelsohle selbst keinerlei stabilisierende Elemente vorhanden sind, folgt der Schuh exakt dem Impuls des Vortriebs und bietet damit ein sehr natürliches Laufgefühl. Der EVA-Schaum wurde dabei eher weich abgestimmt, so dass sich trotz der geringen Bauhöhe eine gute Dämpfung ergibt, welche auch für Rennen auf Asphalt bis zur Halbmarathondistanz (je nach individuellen Voraussetzungen auch darüber hinaus) geeignet scheint. Ebenso positiv zeigt sich der Grip auf verschiedenen Untergründen. Auch wenn ich hier zunächst einmal skeptisch war, zeigt sich die gummierte Mittelsohle durchaus haltbar und rutschfest. Egal ob auf der Laufbahn oder auf nassem Asphalt - an dieser Stelle funktioniert der Schuh wirklich gut und zeigt auch nach ziemlich genau 100 km noch keine großen Abnutzungserscheinungen (siehe Bild unten). 

Abnutzung

Und was bedeuten diese Eigenschaften jetzt für meine Tempoläufe? Der Evo Rehi erzwingt durch seine Geometrie beinahe ein aktives Abrollen über den Vorfuß, bietet dabei dennoch ausreichend Dämpfung und vor allem einen absolut vertrauenerweckenden Halt auf der Bahn. Ebenso sicher fühlt sich der Schuh auch am Fuß an - hier verrutscht definitiv nichts und auch die Gefahr von Blasen oder Druckstellen schätze ich persönlich als eher gering ein. Insgesamt also durchaus ein schneller Schuh, welcher vor allem bei hohen Geschwindigkeiten Spaß macht und dazu animiert, immer noch ein wenig schneller zu laufen. Das Gefühl bis hierhin in einem Wort? Leichtfüßig! In den bisher knapp über 100 Test-Kilometern konnte mich der Evo Rehi damit tatsächlich sehr überzeugen.

Da jedoch alle Läufer individuell sind, gibt es auch einige Punkte, welche es zu beachten gibt. Der Evo Rehi ist wirklich absolut neutral ausgelegt und bietet somit nur wenig Schutz vor Fehlbelastungen. Positiv zu erwähnen ist aber definitiv die herausnehmbare Einlagesohle, was die Anpassung durch eigene (orthopädische) Einlagen ermöglicht. Ebenso sollte jedoch beachtet werden, dass der Schuh durchaus minimalistisch aufgebaut ist und vor allem bei längeren Trainingseinheiten oder Rennen eine gewisse Erfahrung erfordert. Gerade untrainierten Läuferinnen und Läufern würde ich daher eventuell eher andere Modelle empfehlen. Dies lässt grundsätzlich die Frage aufkommen, für wen dieser Schuh wohl am besten geeignet ist? 


Zielgruppe 

Wie es die Kategorie der Wettkampfschuhe bereits vorgibt, sehe ich den Evo Rehi zunächst einmal als einen schnellen Schuh für harte Trainingseinheiten und Wettkämpfe. Damit sollte er für alle Läuferinnen und Läufer interessant sein, welche auf der Suche nach einer Alternative zu ihren bisherigen Wettkampfschuhen sind oder einfach einen noch etwas dynamischeren Schuh speziell für ihre kürzeren und schnelleren Belastungen suchen. Kurze Intervalle auf der Bahn, kürzere Straßenläufe - hier ist der Evo Rehi in seinem Element und auch als Zweit-Wettkampfschuh eventuell auch neben einer Carbon-Variante eine echte Empfehlung! Für längere Belastungen dagegen sind die individuellen Voraussetzungen entscheidend. Nicht jeder wird hiermit einen Marathon laufen können, aber die positiven Effekte auf die Lauftechnik beim dosierten Einsatz sind offensichtlich, so dass sich eine weitere Zielgruppe für diesen Schuh erschließt. Wer an seiner Technik arbeiten möchte oder einfach einen flachen Schuh für die Stärkung der Fuß- und Wadenmuskulatur sucht, findet hier ebenfalls eine zuverlässige Alternative. Wer es richtig schnell angehen lassen möchte, sollte nur auf eine saubere Lauftechnik achten - für den Spaß an der Sache sorgt der Schuh! 

Fazit

Fazit

Mit dem Evo Rehi stellt Hoka One One einen reinrassigen Wettkampfschuh zur Verfügung, welcher eine heute fast schon seltene Kombination bietet. Nah am Boden, leicht und dynamisch bietet er die optimale Plattform für schnelle Läufe und alles, was das schnelle Laufen ermöglicht. Intervalle, Wettkämpfe, Sprints und Lauftechnik - wer ein direktes Laufgefühl bevorzugt, kommt hier auf seine Kosten. Ich persönlich nutze den Schuh vor allem bei Tempoläufen auf der Bahn sehr gerne und kann an dieser Stelle sagen, dass das Experiment Hoka One One für mich schon jetzt ein voller Erfolg war.