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Saucony Endorphine Pro - Testbericht

  • 03.06.2020

KURZTEST: SAUCONY Endorphin PRO


„YOU, BUT FASTER!“

Lange ersehnt und endlich gelauncht. Saucony wirft mit dem Endorphin Pro einen veritablen Konkurrenten zum Nike Vaporfly Next% & AlphaFly in den Carbon-Laufschuh-Markt.
Mit reichlich Vorschusslorbeeren seitens der amerikanischen Bloggerszene versehen, wurde der Endorphin Pro auch auf dem europäischen Markt sehnlichst erwartet.

Auch die Namensgebung „E N D O R P H I N“ verspricht hier so einiges:

„Endorphine sind körpereigene Opioidpeptide, die in der Hypophyse und im Hypothalamus von Wirbeltierenproduziert werden.

Endorphine regeln Empfindungen wie Schmerz und Hunger. Sie stehen in Verbindung mit der Produktion von Sexualhormonen und werden mitverantwortlich gemacht für die Entstehung von EUPHORIE!

Bestimmte körperliche Anstrengungen (siehe RUNNERS HIGH) und Schmerzerfahrungen können möglicherweise durch die Ausschüttung von Endorphinen ein Glücksempfinden hervorrufen. Diese Wirkung wird inzwischen medizinisch anerkannt, wenn auch individuell höchst unterschiedlich erlebt.“
(…frei nach Wikipedia)

Ob und inwieweit sich beim Test des Endorphin Pro auch „euphorischen Zustände“ oder gar ein „Runners High“ einstellen konnte, soll der folgende Test zeigen.

Shop4runners hat mir den Endorphin Pro zur Verfügung gestellt, so dass ich selbigen unabhängig von etwaigen Herstellerinteressen testen konnte.

Die ENDORPHIN-MODELLREIHE:

Im Rahmen der Entwicklung des Endorphin Pro wurden insgesamt weit über 20 verschiedene Prototypen von den Saucony-Eliteläufern, darunter Jared Ward und Molly Seidel – zweite der diesjährigen US-Marathon-Trials! - , getestet und mitentwickelt.

Hierbei bildet der „PRO“ quasi die Speerspitze der Modellreihe, die vom Endorphin SPEED, welcher sowohl für Race als auch Training geeignet ist und dem Endorphin SHIFT als „Daily Trainer“ abgerundet wird.

Im Mittelpunkt steht hierbei zum einen das neue PWRRUN PB Mittelsohlen-Material, welche eine Energierückgewinnung von 88 % gewährleisten soll und dabei gleichzeitig auch 40 % leichter sein soll als „normales“ EVA.

Zusätzlich soll mit der SPEEDROLL-Technologie die Hüfte durch eine Verlagerung des Schwerpunktes in eine dynamischere Laufposition gebracht werden. Dies wird insbesondere durch die S-förmige Carbonfaser-Platte unterstützt, welche zudem auch den Abrollvorgang mit einem „Push“ nach vorne versehen soll.

Durch das Zusammenspiel dieser und weiterer Innovationen soll jeder Läufer seine eigenen Bestzeiten angreifen und verbessern können.

Weitere Infos zu den Modellen siehe unten.

OPTIK und VERARBEITUNG:

Sowohl das Damen-als auch das Herrenmodell des PRO kommen in der Farbe „White-Mutant“ optisch sehr gelungen daher.
Die überwiegend weiße Optik mit rot-schwarzen Applikationen, sowie die 4-farbige (weiß, grün-schwarz-rot) Mittelsohle machen einen klassischen, dennoch optisch „innovativ aufgefrischten“ Eindruck.

Die Neon-gelbe Innen-Schuhausstattung sowie Außensohle runden das moderne Gesamtbild ab.

Die Nähte sind sehr sauber ausgeführt.

Klebereste oder Nahtfehler - Fehlanzeige!

Die Verarbeitung befindet sich auf einem „Saucony-typisch“ sehr hohen Niveau.

TECHNISCHE DATEN:

Der Endorphin Pro hat ein Gewicht von 213 g in der „Standard-Größe“.

In US12,5 wiegt er sehr niedrige 249g!

Der Rückfuß baut 35,5mm, der Vorfuss 27,5 mm, so dass sich eine Sprengung von 8mm ergibt.

In Ermangelung einer eingebauten Stütze, fällt der „PRO“ in die Neutralschuhkategorie. Die PWRRUN-PB-Dämpfung, ein PEBA-basierter Schaum, ist das bisher leichteste und reaktivste Dämpfungsmaterial, welches von Saucony in einem Laufschuh Verwendung findet.

Die SPEEDROLL-Technologie soll hierbei -wie schon erwähnt- einen „Pusheffekt“ nach vorne sicherstellen, welches durch die S-förmige Carbonfaser-Platte aktiv unterstützt werden soll.

Somit soll aus jedem Schritt noch mehr herausgeholt werden können.

PASSFORM:

Der Leisten des PRO ist eher schmal und „racemäßig“ gehalten.

„Mit FORMFIT bietet der Endorphin PRO dem Fuß einen „3D-Komfort“ und ermöglicht dadurch
eine individuelle und optimale Passform. In Kombination mit dem ultraleichtem Engineered-Mesh-
Obermaterial bietet er dem Läufer einen optimalen Mix aus Passform, Komfort und
Atmungsaktivität.“

In der Praxis konnte ich schon beim Anziehen eine sehr gute Passform feststellen und würde
diese als „sportliches Slim-Fit“ bezeichnen.

Sowohl der Versenhalt ist trotz „fehlender, verstärkter Versenkappe“ sehr gut und kann
durch die sog. „Marathon-Schnürung“ weiter optimiert werden.

Die Zehenbox bietet ausreichend Platz und der komplette Fuß wird
durch das ultraleichte Singlelayer-Mesh-Obermaterial sauber fixiert.

Auch die minimalistische Zunge, welche wie ein Socken rechts und links fixiert ist, rundet das positive Gesamtbild in Sachen Passform ab.

Man sollte jedoch darauf achten, dass man den PRO auch eng genug schnürt, damit er durch den „festen Sitz“ seine „Carbon-Performance“ auch ausspielen kann.

Die Belüftung ist durch das sehr dünne „Mesh-Upper“ absolut TOP.

HALTBARKEIT und GRIP:

Die XT-900 Außensohle besitzt verstärkte und abriebfeste Zonen und soll für einen optimierten Grip und eine besondere Langlebigkeit sorgen.

Sehr guten Grip kann ich für Läufe auf trockenem Asphalt bestätigen.
Auch trockene Feldwege mit leichtem Schotter bereiten keine Probleme.

Die skelettierte Konstruktion hält zudem die Gewichtszunahme in Grenzen.

Zur Haltbarkeit kann ich naturgemäß in einem Kurztest keine „belastbare“ Aussage treffen.

Saucony äußert sich zu diesem Thema aber wie folgt:

„Dank dem langlebigeren Material und der durchdachten Platzierung von abriebfestem Gummi in der Außensohle, kannst du den PRO ebenso lange laufen, wie andere High-Performance-Schuhe. Zusammengefasst: Eine Haltbarkeit wie bei einem Lightweight-Trainer - dem KINVARA“.

Klingt vielversprechend…


DÄMPFUNG & DYNAMIK:

Was soll ich sagen? - DER ENDORPHIN PRO „GEHT AB“ !

Schon beim Loslaufen konnte ich feststellen, dass die verbaute Carbonfaser-Platte im Zusammenspiel mit dem sehr reaktiven PWRRUN-PB-Mittelsohlenmaterial eine unglaubliche Dynamik an den Tag legt.

Ein „Push-Effekt“ –im Vergleich zu „normalen“ Laufschuhen- nach vorne ist mit jedem Schritt deutlich spürbar.

In diesem Aspekt zieht der Endorphin Pro mit dem Konkurrenten Vaporfly Next% absolut gleich.

Weitere Infos dazu – unten.

Jedoch lassen sich durchaus Unterschiede feststellen:

Zum einen ist der PRO etwas direkter und „straffer abgestimmt“.
Man sinkt auch (subjektiv) nicht so stark „in den Endorphin Pro ein“.

Dies wird insbesondere Wettkampfläufern sehr gefallen, die gerade auch in der Vergangenheit ein eher minimalistisches Schuhwerk bei Wettkämpfen einsetzten und auch bis hin zur Marathon-Distanz bevorzugt haben.


Durch die – subjektiv- etwas höhere „Federspannung“ der implementierten Carbonplate stellt sich insgesamt ein sehr dynamisches Laufgefühl ein.


Sowohl beim Tempolauf als auch beim Longrun wusste der Endorphin Pro vollends zu überzeugen. Man hatte mit ihm immer das Gefühl, muskulär nicht so sehr „abzubauen“ und zu ermüden und eine hohe Laufdynamik (Kadenz und Abdruck) bis zum Ziel durchhalten zu können.

Hierbei optimieren sowohl die Mittelsohle, die bekanntermaßen eine höhere Reaktivität/Rückstellkraft haben soll als normales EVA, als auch die verbaute Carbonfaser-Platte, die nach Verbiegung im Abrollvorgang wieder zurückflext, die Laufeffizienz spürbar.

Bei einem 10km-Tempolauf konnte ich vom ersten Kilometer an einen dynamischen Schritt auf dem Vor-/Mittelfußbereich halten und gegen Ende sogar noch etwas zulegen.
Dies gelang mir ebenso bei einem Long-Run mit eher gemäßigtem Tempo.

Die Carbon Faserplatte und das PWRRUN PB ermöglichen es somit, einer Ermüdung wirksam vorzubeugen.

In Sachen Laufeffizienz/Biomechanik erreicht der Saucony Endorphin PRO also ein deutliches PLUS gegenüber normal konzipierten Laufschuhen, ohne implementierte Carbon-Platte.

Wie groß die daraus resultierende „Zeitersparnis“ ist, ist natürlich individuell verschieden und hängt vom Läufer und jeweiligen Laufstil ab.

Insgesamt kann ich dem Endorphin PRO ein exzellentes Zeugnis in der Königsdisziplin „Laufdynamik und Dämpfung“ bescheinigen.

Er ist für mich auf den Distanzen von 5 km bis hin zum Marathon sehr gut geeignet.
Auch für Läufer – wie mich – mit 85kg.

KONKURRENZVERGLEICH:

Natürlich war ich sehr gespannt, wie sich der Endorphin Pro im Vergleich zum Nike Vaporfly Next% schlagen würde.

Letzterer beherrscht seit gut zwei Jahren die „Race-Szene“ - insbesondere im Marathonbereich.

Wie kaum ein anderer Wettkampf-Laufschuh schaffte es Nike mit den bisherigen Vaporfly-Modellen die Laufszene nachdrücklich zu beeindrucken und auch zu beherrschen.

Der radikal konstruierte Next% hat ebenfalls eine Sprengung von 8 mm baut jedoch ein klein wenig höher (40 mm zu 32 mm). In Sachen Gewicht liegt er mit 242g zu 249g leicht „vorne“.

Ebenso ist er auf einem noch etwas schmaleren Leisten konstruiert; auch das Vaporweave-Obermaterial ist noch eine Spur minimalistischer.

Der Next% zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er tendenziell für Fersenläufer weniger bis gar nicht geeignet ist, jedoch für Vor-/Mittelfußläufer eine unglaubliche Dynamik und Rückfederung bei gleichzeitig sehr hoher Dämpfung bietet.
Auch die Haltbarkeit hat sich im Vergleich zum Vaporfly 4% (!) deutlich verbessert.

DIREKTVERGLEICH:

Um es kurz zu machen: der Vaporfly Next% ist „softer“ und dennoch sehr dynamisch, wohingegen der Endorphin Pro etwas „straffer“, jedoch keineswegs hart abgestimmt ist und durch die scheinbar subjektiv höhere Federhärte der Carbonfaser-Platte den leichten „Nachteil“ in Sachen Reaktivität des PWRRUN-Mittelsohlen-Materials (im Vergleich zum ZoomX-Material des Next%) ausgleichen kann.

Das Shaping der S-förmigen Carbon-Platte des PRO ist exzellent gelungen.

Ebenso „fixieren“ beide den Fuß sehr gut und bieten auch vorne genug Platz für die Zehen. Durch die Polster im Versen-Bereich des Innenschuhs hat der Next% jedoch minimale Vorteile. Dies kann man aber ganz leicht durch die Schnürung ausgleichen.

Läufer, die also einen etwas softeren, aber dennoch dynamischen Schuh bevorzugen und Mittel- Vorfuß laufen, werden mit dem Next% glücklich werden.

Vor-/Mittelfuß-Läufer, die es etwas direkter, straffer wünschen, aber dennoch auf eine hohe Dynamik nicht verzichten wollen, sollten den Endorphin PRO ins Auge fassen.

Zudem bietet der PRO für Fersenläufer die etwas geeignetere Option, da er im Rückfußbereich nicht ganz so „kippelig“ wie der Next% ist.

TIPP für Triathleten:

Beide Schuhe sind für Triathlons sehr gut geeignet. Durch den glatten Innenschuhbereich können der PRO und der NEXT% auch barfuß gelaufen werden. Dies sollte man jedoch vorher testen!

Bis zur „olympischen Distanz“ - und 10km Laufen - würde ich auch ohne Socken laufen, um beim Wechsel „Zeit zu sparen“.
Durch die stretchige, sockenartige Zunge hat der Endorphin Pro hier leichte Vorteile.

Man sollte beim Kauf der „Laces“ (Gummibänder) jedoch darauf achten, dass man diese im Vorder- & Mittelfußbereich so eng wie möglich einstellt, im „Einstiegsbereich“ jedoch so weit wie nötig, um schnell in den Schuh „schlüpfen“ zu können.
Für einen festen Sitz und damit optimale Performance der Carbon-Platte, kann es ein, dass man bei beiden noch einmal „nachziehen“ muss.

Bei einem zu lockeren Sitz hatte ich „subjektiv“ das Gefühl, dass der PRO und der NEXT% ihre „Carbon-Stärke“ nicht ganz ausspielen können.

ALTERNATIVEN:

Im Rahmen der Endorphin-Modellreihe startet Saucony den Launch am 1. Juni mit dem Endorphin Pro.
(Dieser scheint aber aktuell bereits nach dem „Start-Termin“ bereits weitestgehend ausverkauft zu sein….)

Diesem folgen dann der Endorphin Speed, welcher im Gegensatz zum Pro-Modell keine Carbonplatte, sondern eine nylonverstärkte Kunststoff-Platte besitzt. Ebenso ist das Obermaterial doppellagig und somit tendenziell haltbarer, aber auch schwerer konzipiert.
Der Endorphin Shift, noch einmal schwerer und als Daily Trainer konstruiert, besitzt keinerlei „Platte“.

Beide Modelle werden jedoch erst in den kommenden Sommermonaten erhältlich sein

Neben den Endorphin-Modellen, bietet Saucony mit dem A-Modell, dem Fastwitch und Kinvara, weitere, interessante Race- und Lightweight-Trainer an, die jedoch nicht die neuesten Innovationen und Materialien bieten, sondern auf bewährte Konzepte zurückgreifen.

Auch sind diese mit 4mm Sprengung deutlich „flacher“ gebaut.

Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen dass auch diese Modelle sehr interessant sind, zumal sie ein sehr dynamisches Laufen bei sehr geringem Schuh-Gewicht ermöglichen - auch ohne Carbon-Platte!

FAZIT:

Mit dem Endorphin PRO hat Saucony endlich auch einen Carbon-Racer ins Spiel gebracht.

Er steht in direkter Konkurrenz zum Vaporfly Next% und kann diesem absolut die Stirn bieten!

Der PRO ist zwar minimal schwerer als der Next%, bietet er aber durch die äußerst gelungene, direktere und etwas „straffere“ Abstimmung der PWRRN-PB-Mittelsohle in Verbindung mit der S-förmigen Carbonfaser-Platte eine sehr gelungene Mischung aus Dämpfung und Laufdynamik.

Er ist nicht ganz so soft wie der Next%, dürfte aber für viele „Racer“ eine sehr interessante Alternative darstellen.

Zudem verspricht Saucony eine Haltbarkeit wie bei einem Lightweight-Trainer, so dass sich in Verbindung mit dem deutlich geringeren Verkaufspreis (UVP 220 € zu 275 €) ein Vorteil für den Endorphin PRO ergibt.

Über die Optik lässt sich bekanntermaßen streiten. Der Vaporfly sieht schon etwas radikaler aus, aber auch der Endorphin PRO ist optisch äußerst gelungen.

Seine Verarbeitung ist tadellos, die Passform ist angenehm sportlich, die Atmungsaktivität sehr gut.

Für eine optimale Performance sollte der Endorphin Pro fest genug geschnürt werden, damit er auch sauber in der Verse sitzt.

Für Läufer, die ihre Bestzeit angreifen wollen und nicht ganz so tief in die Tasche greifen möchten, dabei aber auf den „Push-Effekt einer Carbonfaser-Platte“ nicht verzichten möchten, bietet Saucony mit dem Endorphin PRO eine echte „Waffe“ an.

Mit ihm sollte es - bei geeignetem Training - möglich sein, neue Bestzeiten aufzustellen.

Von daher dürfte sich bei vielen Läufern auch der Slogan von Saucony bewahrheiten: „FASTER THAN EXPECTED“

Beide Daumen gehen hoch – „Good job, Saucony!“

…und für mich gilt: ME, BUT FASTER!


Fotos: privat und Saucony