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Testbericht Nike Zoom Fly 3

  • 04.02.2020

Der große Bruder des „FLY3“, der Vaporfly Next%, räumt Sieg um Sieg bei den „Major-Marathons“ auf der ganzen Welt, sowie auch bei namhaften Triathlon-Wettkämpfen ab.
Nicht wenige Profis haben ihn sogar ohne Sponsor-Vertrag gekauft…

Mit einer UVP von 275 € ist er jedoch vielen Läufern zu teuer, auch wenn er als derzeit „schnellster Schuh für Racer“ gilt. Somit lag es nahe, dass Nike dem Vaporfly einen günstigeren, kleinen Bruder an die Seite stellt, der aber dieselben Gene wie der Next% bietet.

Dies wurde mit dem Nike Zoom FLY3 realisiert. Dieser bietet wie der Next% eine Carbonfaserplatte, welche die Laufökonomie optimieren und die Leistungen verbessern soll. Der nachfolgende Testbericht soll zeigen, ob auch der FLY3 so außergewöhnlich performt wie der Vaporfly. Der Nike Zoom FLY3 wurde mir von Shop4runners zur Verfügung gestellt, so dass ich diesen unabhängig von etwaigen Herstellerinteressen testen konnte.

OPTIK & VERARBEITUNG:

Der FLY3 kommt in verschiedenen Farbvarianten, welche sich teilweise sehr an der Optik des Vaporfly Next% orientieren (zB neongrün und rosa).
Es gibt jedoch auch schlichtere Modellvarianten in grau und weiß. Ebenfalls hat Nike mittlerweile Sondereditionen gelauncht („Ekiden“-Version, FLY3-Premiun …). Teilweise sind sogar „Personalisierungen“ möglich…

Durch die voluminöse React-Mittelsohle mit „Verjüngung und Spoiler“ im Fersenbereich erscheint der FLY3 - wie sein großer Bruder NEXT% - als echter „Racer“. Die Verarbeitung und verwendeten Materialien sind hochwertig und alle Details sind sauber verarbeitet.

Optik Fly 3

TECHNISCHE DATEN:

Der FLY3 hat wie der Vaporfly NEXT% ein Vaporweave-Upper, jedoch zusätzlich noch einen untergezogenen Sock-Liner (Mesh), welcher die Haltbarkeit und den Komfort erhöhen dürfte. Das Vaporweave des FLY3 wirkt jedoch nicht ganz so hauchdünn wie beim Next%.

Anders als beim Next% wird jedoch nicht das sehr „reaktive“ ZoomX-Mittelsohlen-Material verbaut, sondern Nike greift beim FLY3 auf den etwas schwereren aber auch haltbareren React-Foam zurück. Somit steigt auch das Gewicht des FLY3 deutlich an. In US 13/EU 47,5 beträgt das Schuhgewicht stolze 336g!
Das sind circa 100g pro Schuh mehr als beim leichtgewichtigen Next%! Um ehrlich zu sein war ich aufgrund dieses relativ hohen Gewichts doch etwas überrascht und sehr gespannt auf die Lauf-Performance.

Die Bauhöhe beträgt 23 und 34 mm (vorne/hinten), die Sprengung somit 11mm. Sie ist damit noch einmal 3 mm höher als beim NEXT%.

Mit einer UVP von 160 € ist der Zoom FLY3 jedoch auch deutlich günstiger als der Next%!

Technische Daten Fly 3

PASSFORM:

Der FLY3 ist wie der Vaporfly auf einem schmalen Race-Leisten gebaut und somit eher weniger für sehr breite Füße geeignet. Jedoch habe ich im Vergleich zum Next% gemerkt, dass dieser im Oberschuh wohl etwas weiter geschnitten ist als der Next%, weil ich die Schnürung etwas „enger“ ziehen musste, um den Fuß sauber im Schuh zu fixieren. Der Fly3 dürfte dadurch eine größere Anzahl von Läufern ansprechen als der schmalere Next%. Anders als der Vaporfly hat der FLY3 keine Zunge verbaut, sondern eine sockenartige Konstruktion, die den Fuß komplett umschließt. 

Dieses Detail dürfte für Triathleten interessant sein, weil man so leichter und auch etwas schneller in den Schuh schlüpfen kann, was bei der Optimierung der Wechselzeiten hilfreich ist. Man muss dafür nur noch ein „Schnellschnür-System“ besorgen… Durch die Schnürung, die gerade über den Mittelfuß verläuft (Next% schräg nach außen) lässt sich der Schuh sauber am Fuß fixieren, durch Polsterelemente im Fersenbereich wird der Fuß weiter fixiert.

Ein guter Sitz gerade im Versenbereich ist insofern auch wichtig, um die „Rückstellkraft“ der „Carbon-Feder“ optimal auszunutzen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass man sich im FLY3 auf Anhieb wohl fühlt und ein gutes, sicheres Gefühl hat.

Passform

DÄMPFUNG und LAUFDYNAMIK:

Sehr gespannt war ich auf die ersten Lauf-Kilometer mit dem FLY3.
Was nur im Direktvergleich merkt ist, dass der FLY3 durch das verbaute React-Material nicht ganz so stark rückfedert wie der Next%.

Dies mag zunächst etwas enttäuschen, jedoch stellt sich wie beim Next% sofort ein sehr dynamisches, „pushendes“ Laufgefühl ein. Hierzu trägt naturgemäß die verbaute Carbonfaserplatte bei. Der Läufer wird quasi mit jedem Schritt beim Abstoßen leicht nach vorne „katapultiert“, was die Laufeffizienz erhöhen und die Laufzeiten verbessern soll.

Diverse Studien haben bereits ergeben, dass eine Verbesserung der Laufzeiten je nach Referenzschuh im Bereich von einem bis circa zweieinhalb Prozent liegen kann.
Dies variiert jedoch bei jedem Läufer sehr stark und ist naturgemäß auch vom Laufstil (…) abhängig.

Im direkten Vergleich zum Next% ist dieser „Front-Push“ jedoch nicht ganz so stark ausgeprägt. Allerdings spürt man im Unterschied zu „normalen“ Laufschuhen, ohne Carbonfaserplatte, dass man „dynamischer und zügiger“ unterwegs ist.

So hatte ich selbst bei lockeren Longruns am Ende der Laufeinheiten ein Tempo, welches circa 5-10 Sekunden/km schneller war als „normal“.
(Dies schreibe ich jedoch auch ein wenig der Anfangsbegeisterung beim Schuhtest(en) zu.)

Wie hoch die tatsächliche Zeitersparnis sein wird, vermag ich nicht zu beurteilen, jedoch glaube ich, dass auch der FLY3, ähnlich wie der Next%, die Laufzeiten leicht verbessern kann. Man sollte jedoch aufpassen, welchen Laufstil man pflegt.

Als Fersenläufer würde ich vom FLY3 definitiv abraten.
Der Fersenbereich ist sehr schmal geschnitten so dass man beim Aufsetzen durchaus etwas wegdrehen/ -knicken kann.
Meiner Meinung nach ist der FLY3 insbesondere für Mittel- und vor Fußläufer geeignet und kann dort auch seine Stärken ausspielen.

Dämpfung Ferse

PROTEKTION und GRIP:

Die verbaute Außensohle im „Waffle-Design“ wirkt auf den ersten Blick identisch zum Vaporfly, ist meiner Meinung nach jedoch etwas „dicker aufgetragen“. Somit sollte die Haltbarkeit noch etwas höher als beim diesem liegen. Im Versenbereich sind zwei Gummiverstärkungen jeweils rechts und links implementiert.

Die Außensohle bietet auf Asphalt, egal ob Nässe oder bei Trockenheit, immer einen sehr guten Grip.

Auch auf Waldwegen bei leichter Feuchtigkeit weiß der FLY3 zu überzeugen. Es darf nur nicht matschig werden, denn dann stößt er schnell an seine Grenzen!

Naturgemäß ist er auch nicht für unwegsames Gelände geeignet. Er wurde als Racer konzipiert und bietet meiner Meinung nach auch die Möglichkeit, längere & schnellere Läufe zu absolvieren.

Sofern man mit ihm über Wald- und Wirtschaftswege läuft, kann der FLY3 aufgrund seiner dicken Mittelsohle auch einen ordentlichen Schutz vor sich durchdrückenden Steinen bieten.

Hier hat er klar Vorteile gegenüber flacheren und „dünneren“ Race-Modellen.

FAZIT:

Mit dem Zoom FLY3 schickt Nike eine günstige Alternative zum Vaporfly Next% ins Rennen. Er kostet gut 100€ weniger, wiegt jedoch auch 100g mehr. Dieses Mehrgewicht schlägt jedoch beim Laufen selbst kaum zu Buche!

Durch die verbaute Carbonfaserplatte und das etwas straffere, aber auch haltbarere REACT-Mittelsohlenmaterial weiß der FLY3 dennoch zu überzeugen. Der „Pusheffekt“ ist spürbar und die Laufökonomie wird verbessert. Durch die insgesamt verbauten, haltbareren Materialien dürfte der FLY3 ebenso eine längere „Lebenserwartung“ und Laufleistung als der Vaporfly NEXT% haben.

Er bietet sich somit als Race-Schuh für (Neutral-) Mittelfuß und -Vorfußläufer an. Ebenso als „Speed-Trainer“ für lange und schnelle Läufe. Der FLY3 macht aber auch bei lockeren Longruns eine Menge Spaß. Durch die nicht zu enge Passform ist der Schuh auch für normale und leicht breitere Füße geeignet.

Der FLY3 stellt durch die verwendete Sockenkonstruktion zudem für Triathleten eine interessante Alternative für schnelle Wechselzonenzeiten und „die dritte Disziplin“ dar. Insgesamt ist der NIKE ZOOM FLY3 ein sehr guter Schuh, der sich zwischen den Race-Modellen anderer Hersteller und der „Race-Waffe“, dem Vaporfly Next%, positioniert. Für ein überschaubar(er)es Budget kann man somit „in den Fußstapfen von Eliud Kipchoge“ neue Bestzeiten erzielen.

ALTERNATIVEN:

Wer es „auf die Spitze treiben will“ und nach dem Optimum strebt, muss naturgemäß auf das teurere Vaporfly Next%-Modell zurückgreifen, welches aber mit 275€ zu Buche schlägt, jedoch auch circa 100g/Schuh leichter ist.

Hier der Link zu den Zoom FLY und Vaporfly-Modellen:
https://www.shop4runners.com/schuhe/laufen-nike-zoom_fly-vaporfly.html

Neben dem FLY3 bietet das Nike-Sortiment jedoch auch noch eine Vielzahl von interessanten Modellen, in welchem das reaktivere ZoomX-Material verbaut ist. Hier lohnt ein Blick auf die „ZoomX-Pegasus-Modellreihe“:
https://www.shop4runners.com/schuhe/laufen-nike-air_zoom_pegasus.html

Fotos: privat (Torsten Drommel)

Facebook-Profil des Testers: Tri&Trail